Wussten Sie, dass es in Deutschland – statistisch gesehen – alle 12 Sekunden einen Autounfall gibt? Während Sie also diese ersten Zeilen lesen, hat es irgendwo in der Bundesrepublik wieder gekracht. Zum Glück handelt es sich meistens nur um Blechschäden. Ärgerlich ist aber trotzdem – für alle Beteiligten. Und weil die überwiegende Zahl der Autofahrer keine professionellen Unfalllenker sind, stehen oft große Fragezeichen an der Unfallstelle: Was muss ich jetzt tun? Wie verhalte ich mich korrekt? Deshalb haben wir hier für Sie einen kompakten Leitfaden zusammengestellt:

1. Absicherung der Unfallstelle
Jeder Unfallort ist eine Gefahrenstelle für passierende Verkehrsteilnehmer. Deshalb muss er als erstes abgesichert werden. Schalten Sie dazu den Warnblinker ein, ziehen Sie die mittlerweile verpflichtende Warnweste an und steigen Sie auf der rechten Seite aus. Stellen Sie danach ein Warndreieck in einem Abstand von 50 (innerhalb eines Ortsgebietes), 100 (Freilandstraßen) oder 200 Metern (Autobahnen) am äußeren Fahrbandrand auf – und zwar vor die Unfallstelle in der Richtung, aus der Sie gekommen sind. Bei Verletzungen müssen Sie natürlich Erste Hilfe leisten.
Tipp: Klappen Sie das Warndreieck mindestens einmal als Trockenübung auseinander. Der Mechanismus ist etwas gewöhnungsbedürftig, und bei einem Unfall sollte das schnell von der Hand gehen, obwohl Sie aufgeregt sind. Noch mehr praktische Tipps – zum Beispiel, wie Sie ganz einfach 50 Meter zielsicher bemessen können – erfahren Sie im Video von Kfz-Gutachter Harald Petry.

2. Dokumentation des Unfalls
Sammeln Sie Beweise: Machen Sie Fotos von der Unfallstelle und von den Schäden an den Autos. Sehen Sie sich nach Zeugen um, die den Unfallhergang beobachtet haben, und bitten Sie sie um ihre Kontaktdaten. Füllen Sie gemeinsam mit Ihrem Unfallgegner den Unfallbericht aus – er enthält alle relevanten Daten. Unfallberichts-Formulare gibt es kostenlos in den Geschäftsstellen des ADAC und bei EU-Neuwagen Darmstadt.

3. Polizei erforderlich?
Klar: Bei kleinen Kratzern an der Karosserie muss unser Freund und Helfer nicht anrücken. Bei größeren Sachschäden sieht dies schon anders aus. In jedem (Un) Fall ist die Polizei erforderlich, wenn Firmen- oder Mietwagen involviert sind oder es Verletzte gibt. Die 110 sollten Sie auch dann wählen, wenn es zu Streitigkeiten mit dem Unfallgegner kommt oder sich ein Beteiligter aus dem Staub gemacht hat (Unfallflucht!).
Extratipp von EU Neuwagen Darmstadt: Erwarten Sie von den Ordnungshütern nicht, dass sie die Haftungsfrage klären. Das ist nicht Aufgabe der Polizei. Deshalb macht es auch keinen Sinn, eine Diskussion darüber mit den Polizisten zu beginnen. Wenn es im Zusammenhang mit Verletzten zu einem möglichen Strafrechts-Tatbestand kommen könnte, sollten Sie Ihre Aussagen vor Ort vorab gut überdenken, um sich nicht selbst zu belasten.

4. Räumen der Unfallstelle
Nachdem alle Formalitäten geklärt sind, muss die Straße möglichst rasch wieder frei befahrbar werden. Die Unfallfahrzeuge müssen weg. Ist Ihr Wagen nicht mehr fahrtüchtig, haben Sie grundsätzliche freie Werkstattwahl – solange sich die gewünschte Werkstatt im näheren Umkreis der Unfallstelle befindet. Von der gegnerischen Versicherung werden dann nur die Kosten für das Abschleppen in die nächstgelegene Fachwerkstatt übernommen. Davor sollten Sie aber noch unbedingt die Unfallstelle von Scherben und herumliegenden Blechteilen reinigen. Denn die Feuerwehr ist für das Aufräumen nur bei schweren Unfällen zuständig, etwa wenn Öl oder Benzin ausgetreten sind.

5. Meldung an die Versicherung
Ist der erste Schock nach dem Unfall verdaut, geht es um die Frage: Wer kommt für die Kosten auf? Trägt Ihr Unfallgegner die volle Schuld, haftet er auch zu 100 %. Dann ist seine Versicherung Ihr Ansprechpartner, und Sie erhalten von ihr den vollen Schadenersatz. Haben Sie eine Teilschuld am Unfall oder meldet Ihr Gegner seinerseits Ansprüche an, müssen Sie Ihre eigene Kfz-Haftpflichtversicherung informieren. In diesem Fall werden beide Versicherungen den Sachverhalt und die Beweise prüfen und die jeweilige anteilsmäßige Haftungsquote verhandeln. Lässt sich die Schuldfrage nicht klären, können Sie von einer 50 : 50 Aufteilung der Kosten ausgehen.


6. Wann darf die Werkstatt mit der Reparatur beginnen?
Bei Bagatellschäden bis etwa 1.000 Euro reichen der Versicherung in der Regel ein Kostenvoranschlag der Werkstatt und Fotos vom beschädigten Auto. Bei teureren Reparaturen oder einem Totalschaden brauchen Sie einen Sachverständigen, den die Versicherung bezahlt und den Sie frei wählen können. Sein Gutachten reichen Sie dann bei der Versicherung ein. Sobald Sie deren Bestätigung über die Übernahme der Reparaturkosten bekommen haben, können Sie Ihre Werkstatt beauftragen.

7. Muss ich den Schaden am Fahrzeug reparieren lassen?
Sie dürfen selbst wählen, ob Sie Ihr Auto reparieren lassen, den Schaden selbst beheben oder überhaupt auf eine Reparatur verzichten. In letzterem Fall können Sie fiktiv abrechnen, was bedeutet, dass Sie sich die vom Gutachter oder der Werkstatt veranschlagten Kosten von der Versicherung auszahlen lassen.
Bei einem Totalschaden erstattet die Versicherung die Differenz zwischen Wiederbeschaffungs- und Restwert. Dabei liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden dann vor, wenn der Reparaturaufwand höher ist als der Wiederbeschaffungswert. Ein technischer Totalschaden ist hingegen der buchstäbliche Haufen Schrott.

8. Ein Mietwagen nach dem Unfall?
Während sich Ihr Auto in der Werkstatt befindet, dürfen Sie sich einen Mietwagen nehmen, um sofort wieder mobil zu sein. Allerdings nur dann, wenn Sie diesen täglich mindestens 20 Kilometer fahren. Wählen Sie am besten ein Modell, das eine Fahrzeugklasse niedriger eingestuft ist als Ihr eigener Pkw (z. B. einen VW Polo, wenn Sie selbst einen Golf fahren). So vermeiden Sie eventuelle Abzüge und erhalten die vollen Kosten für die gesamte Mietdauer erstattet.

9. Welche Zusatzleistungen stehen mir zu?
Im Allgemeinen erhalten Sie sämtliche Kosten erstattet, die im Zuge Ihres Unfalls anfallen: Abschleppwagen, Gutachter, Anwalt, Pauschalen für Porto und Telefon, Entsorgungskosten bei Totalschäden, Mietwagen, etc. Achtung: Sie bekommen diese Aufwendungen nur im Rahmen Ihrer Haftungsquote vergütet. Tragen Sie beispielsweise eine 25 %ige Teilschuld, erhalten Sie nur drei Viertel Ihrer Kosten, für den Rest müssen sie selbst aufkommen. Und unabhängig davon, welche Leistungen Sie von Ihrer Versicherung in Anspruch nehmen, müssen Sie sich an die Schadenminderungspflicht halten. Sie dürfen also das Geld der Versicherung nicht mit vollen Händen ausgeben (z. B. ein Ferrari als Mietwagen), sondern danach trachten, den Schaden klein zu halten.

10. Was mache ich bei einem Unfall im Ausland?
Ereignet sich der Unfall in einem EU-Mitgliedsland oder kommt der Unfallgegner aus einem EU-Statt, lassen sich Sachschäden von zuhause aus regeln (dies gilt auch für Liechtenstein, Island, Norwegen und die Schweiz). Den zuständigen Regulierungsbeauftragten erfahren Sie über den Zentralruf der Versicherer mit der kostenlosen Hotline 0800 250 260 0. Maßgeblich ist das Schadenersatzrecht des Unfalllandes. Bei Unfällen außerhalb der Europäischen Union wenden Sie sich direkt an die Versicherungsgesellschaft des Unfallgegners.

11. Der automatische Notruf „eCall“
Einige Autohersteller bieten bereits so genannte eCall-Funktionen in ihren Fahrzeugen an. Die Elektronik dahinter baut nach einem Unfall oder einer manuellen Aufforderung (SOS-Taste) eine Mobilfunk-Verbindung mit der Notrufzentrale des Herstellers auf. Dabei werden bereits relevante Fahrzeugdaten sowie die genauen Koordinaten des Unfallortes übermittelt. Die Notrufzentrale nimmt dann Kontakt mit den Fahrzeuginsassen auf, erfragt die aktuelle Situation und informiert im Bedarfsfall sofort die zuständige Rettungsleitstelle.

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